Selbstbeteiligung Haftpflicht – Das ist wichtig!

Haftpflicht Selbstbeteiligung

Selbstbeteiligung Haftpflicht – Die wichtigsten 5 Argumente

Benötige ich beim Abschluss eine Selbstbeteiligung Haftpflicht oder nicht? Dies ist neben der Analyse der einzelnen Leistungsmerkmale die wichtigste Frage aus Sicht vieler Versicherungskunden. Wir geben in unserem Beitrag eine solide und ausführliche Antwort auf die Frage nach der Haftpflicht Selbstbeteiligung.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Artikel

Die Gesamtkosten für Tarife mit und ohne Selbstbeteiligung sind über einen 10-Jahreszeitraum in etwa gleich (Annahme: Alle 10 Jahre wird ein Schaden gemeldet).

Abgesehen von den Kosten für eine private Haftpflichtversicherung, gibt es fünf Gründe, die für eine Haftpflicht Selbstbeteiligung sprechen.

Nur wer sich nur an den Kosten orientiert und mit öfteren Schäden rechnet, der sollte eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung wählen.

Das größte Risiko bei einer Haftpflicht ohne Selbstbeteiligung ist die Kündigung durch den Versicherer nach einem Schadensfall.

Selbstbeteiligung Haftpflicht – Folgen im Schadensfall

Die Haftpflicht Selbstbeteiligung ist ein Eigenanteil, den man im Schadensfall selber tragen muss. Das bedeutet, die Versicherung tritt zwar für den Schaden ein, wenn dieser berechtigt ist, und bezahlt diesen. Vor Auszahlung wird von der Versicherung jedoch ein Betrag in Höhe der Selbstbeteiligung abgezogen.

Beispiel

Du lässt bei Deinem Nachbarn dessen wertvolle Vase aus Unachtsamkeit fallen und verursachst einen Schaden in Höhe von 500 Euro.

Wenn Deine Privathaftpflichtversicherung eine Selbstbeteiligung in Höhe von 150 Euro vorsieht, dann bezahlt sie Dir 350 Euro. Die Differenz von 150 Euro musst Du aus eigener Tasche tragen.

Der Preisvorteil einer Haftpflicht mit Selbstbeteiligung

Tarife mit Haftpflicht Selbstbeteiligung gibt es viele. Der Eigenanteil im Schadensfall rangiert dabei von 100 Euro bis zu über 1.000 Euro im Schadensfall.

Vor Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung stellen sich die folgenden Fragen, auf welche wir in diesem Artikel jeweils eine Antwort geben:

  • Kostet mich eine Versicherung mit Selbstbeteiligung unter dem Strich mehr oder weniger?
  • Welche weiteren Argumente sollte ich vor einer Entscheidung beachten?

Wir starten unsere Analyse mit dem Vergleich der Kosten für die Versicherung. Hierbei betrachten wir einen Zeitraum von zehn Jahren.

Statistisch gesehen melden Versichert circa alle zehn Jahre einen Schadensfall. Daher ist dies ein guter Zeitraum für einen Vergleich der verschiedenen Varianten.

Den Vergleich führen wir anhand eines ausgewählten Tarifs beispielhaft durch und leiten daraus eine Daumenregel ab.

Der Beispieltarif der Bavaria Direkt

Für unsere Berechnung haben wir uns den Tarif Komfort L der Bavaria Direkt mit den folgenden Eckwerten ausgewählt:

Den Tarif gibt es mit mehreren Varianten zur Selbstbeteiligung.

Wir haben die Kosten für einen 10-Jahreszeitraum jeweils ohne, mit 150 Euro und mit 300 Euro pro Schadensfall durchgerechnet

Haftpflicht Kosten für zehn Jahre im Vergleich

Die folgende Infografik zeigt die kumulierten Kosten für die private Haftpflichtversicherung der drei Varianten im Vergleich an.

Selbstbeteiligung über 10 Jahre
Grafik 1: Beispielhafte Berechnung zu Kosten mit verschiedener Selbstbeteiligung über 10 Jahre

Die Haftpflicht ohne Selbstbeteiligung kostet 73 Euro pro Jahr. Über zehn Jahre macht dies einen Betrag von 730 Euro aus.

Beim Tarif mit 150 Euro Selbstbeteiligung kommt man auf 570 Euro Kosten und bei einem Eigenanteil von 300 Euro kosten 10 Jahre Versicherungsschutz nur noch 490 Euro.

Die Ersparnis mit Selbstbeteiligung in Euro

Aus diesem Kostenvergleich kann nun die jeweilige Ersparnis abgeleitet werden. Diese visualisiert die zweite Grafik recht anschaulich.

Selbstbeteiligung
Grafik 1: Preisvorteil von Tarifen mit Selbstbeteiligung über 10 Jahre

Bei dem Tarif mit 150 Euro Eigenanteil beträgt der Vorteil nach 10 Jahren 160 Euro. Das entspricht in etwa der Höhe der Selbstbeteiligung.

Ergebnis

Passiert nach 10 Jahren ein Schaden in Höhe von mindestens 150 Euro, dann kosten beide Tarife unterm Strich gleich viel. Passieren Schäden öfters bzw. früher, ist ein Tarif ohne Selbstbeteiligung günstiger. Passiert der Schaden zum Beispiel nach 5 Jahren, muss ein Versicherter mit Selbstbeteiligung die 150 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Gleichzeitig wurden nur 80 Euro an Beitrag über die Zeit gespart.

Beim Tarif mit 300 Euro Selbstbeteiligung ist der Preisnachteil beim Eigenanteil noch deutlicher. Selbst wenn 10 Jahre kein Schaden passiert, hat man erst eine Beitragsersparnis von 240 Euro erreicht. Im Schadensfall müsste man aber bis zu 300 Euro selber bezahlen.

Hier ist anzumerken, dass der Großteil aller Schäden unter 300 Euro liegt.

Das Fazit

Wer öfters als alle zehn Jahre einen Schaden „produziert“, der sollte eine private Haftpflichtversicherung ohne Selbstbeteiligung abschließen.

Nun kommt aber noch ein großes ABER.

Denn trotz einem Preisvorteil bei mehreren Schäden, gibt es gute Gründe für eine Privathaftpflicht mit Eigenanteil.

Gründe für eine Haftpflicht mit Selbstbeteiligung

Die folgenden vier Gründe sprechen für eine Haftpflicht Selbstbeteiligung:

  1. Bei vielen Schäden kann der Versicherer den Vertrag einseitig kündigen
  2. Versteckte Selbstbeteiligungen bei Tarifen „ohne Selbstbeteiligung“
  3. Viele Kleinschäden bedeuten hohe Verwaltungskosten
  4. Verträge ohne Selbstbeteiligung ziehen Betrüger an
  5. Etwas Eigenverantwortung macht immer Sinn

Diese Gründe wollen wir kurz erläutern.

Einseitiges Kündigungsrecht durch den Versicherer

Im Kleingedruckten (den Vertragsbedingungen) räumen sich die Versicherer ein sogenanntes einseitiges Kündigungsrecht im Schadensfall ein. Dies liest sich dann wie folgt.

Kündigung nach Versicherungsfall

„Das Versicherungsverhältnis kann gekündigt werden, wenn vom Versicherer eine Schadensersatzzahlung geleistet wurde.“

Auszug aus den Vertragsbedingungen einer Versicherung

Was das bedeutet, ist ganz einfach. Kunden, die zu viele Schadensfälle melden, erhalten vom Versicherer eine Kündigung. Denn welcher Versicherer möchte mit einem Kunden auf Dauer Verlust machen?

Eine Kündigung kann schon nach einem oder zwei Schadensfällen erfolgen. Hier kommt es ganz auf den Versicherer an. Versicherungen auf Gegenseitigkeit (VVaG) sind hier in der Regel etwas kulanter als Aktiengesellschaften, die Gewinn für ihre Aktionäre erwirtschaften müssen.

Wenn der Vertrag vom Versicherer gekündigt wurde, dann ist es schwierig, einen neuen Versicherer zu finden.

Denn beim Neuabschluss fragt jede Versicherung nach solchen Kündigungen. Auch der neue Versicherer möchte keine Kunden mit vielen Schadensfällen.

Tipp: Kleine Schäden sollten lieber selber bezahlt werden, um den Versicherungsschutz nicht zu verlieren. Aus diesem Grund bietet sich eine Haftpflicht Selbstbeteiligung an.

Versteckte Selbstbeteiligung

Viele Tarife, die ohne Selbstbeteiligungen verkauft werden, haben dann doch auf einzelne Schadenereignisse einen versteckten Eigenanteil. Man muss hier genauer hinschauen.

Häufig gibt es versteckte Selbstbeteiligungen zum Beispiel bei:

In solchen Fällen ärgert man sich doch sehr. Dies ist ein weiterer Grund, gleich eine Haftpflicht Selbstbeteiligung abzuschließen.

Hohe Verwaltungskosten

Die Bearbeitung von Schäden kostet Geld. Diese kosten werden in die Versicherungsprämie einkalkuliert. Kunden mit kleinen Schäden bezahlen also diese Kosten mit.

Befinden sich im Versicherungskollektiv viele Kunden mit vielen Kleinschäden, kann dies zu einer Erhöhung der Prämien führen. Dies lässt sich mit einer Selbstbeteiligung Haftpflicht vermeiden.

Viele Betrugsfälle

Gleiches gilt für Versicherungsbetrug. Wir sprechen hier oft von Kavaliersdelikten. Wer kennt nicht den folgenden Spruch:

„Lass uns das über die Privathaftpflicht laufen lassen.“

Typische Reaktion bei kleinen Schäden

Wer lange Jahre einzahlt, der möchte auch etwas heraushaben. Doch eine Haftpflichtversicherung ist kein Sparbuch. Auch Kalaviersdelikte (unberechtigte Schadensmeldungen) sind Versicherungsbetrug. Dieser kann strafrechtlich verfolgt werden.

Versicherungen ohne Selbstbeteiligungen ziehen Betrüger an. Dies kann zu höheren Prämien führen.

Mehr Eigenverantwortung

Der letzte Grund für eine Selbstbeteiligung hat grundsätzlich mit Eigenverantwortung zu tun. Warum müssen wir jeden kleinen Verlust von anderen (in diesem Fall der Versichertengemeinschaft) bezahlen lassen?

Jeder sollte für seine Verluste selber verantwortlich sein. Es empfiehlt sich, die Solidarität der Gemeinschaft nur im Notfall in Anspruch zu nehmen. Dann bleiben Versicherungen aus bezahlbar.

Natürlich wird der angesprochene „Notfall“ von jedem anders definiert. Je mehr Geld man in Reserve hat, desto weniger handelt es sich bei Versicherungsschäden um einen Notfall.

Tipp: Kauft eine Haftpflicht mit Selbstbeteiligung und legt den Betrag in Höhe dieses Eigenanteils zur Seite. Je liquider Ihr seid, desto höher sollte der Eigenanteil sein.

Unser abschließende Empfehlung zur Selbstbeteiligung

Unsere abschließende Empfehlung lautet wie folgt.

  • Nur wer keine 100-200 Euro in Reserve hat, der sollte eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung abschließen.
  • Kostenseitig lohnt sich ein Angebot ohne Eigenanteil dann, wenn man mit mehreren Schäden rechnet.
  • Doch bei mehreren Schäden droht der Verlust des Versicherungsschutzes durch die Kündigung des Versicherungsunternehmens.

Was bedeutet Selbstbeteiligung?

Beim Abschluss einer Police hat der Versicherungsnehmer die komfortable Möglichkeit, eine Selbstbeteiligung (auch Selbstbehalt genannt) zu vereinbaren. Denn grundsätzlich gilt: Je höher die Selbstbeteiligung, desto niedriger ist der Versicherungsbeitrag für den Versicherungsnehmer. Die vereinbarte Selbstbeteiligung wird im Vertrag festgehalten.

Im Falle eines Schadens übernimmt der Versicherungsnehmer dann eine mit der Versicherung vereinbarte Summe, also die Selbstbeteiligung, aus eigenen Mitteln. Wenn eine Selbstbeteiligung in Höhe von 150 Euro vereinbart wurde, muss der Versicherungsnehmer bei jedem Schadenfall bis 150 Euro selber bezahlen. In der Regel handelt es sich um einen festen Betrag, der zwischen 50 und 500 Euro liegt. Es gibt sogar Versicherungen, die nur Verträge mit Selbstbehalt anbieten. Die Versicherungsgesellschaft übernimmt dann nur den Restbetrag, der über der vereinbarten Selbstbeteiligung liegt.

Eine Haftpflicht Selbstbeteiligung bedeutet erst einmal auch eine Beitragsersparnis. Wenn der Versicherungsnehmer nicht hundert Prozent der Kosten selbst tragen muss, dann gibt es einen Rabatt auf den zu zahlenden Versicherungsbeitrag. Er ist in der Regel größer als der Betrag, der als Selbstbehalt oder Selbstbeteiligung vereinbart ist. Allerdings lohnt es sich nicht immer eine Selbstbeteiligung zu vereinbaren, da die Beitragsersparnis zu gering ausfallen kann. Da die Schäden in vielen Fällen gering sind, bleiben die Versicherungsnehmer mit einer Selbstbeteiligung oft auf den Kosten sitzen. Von daher ist es insbesondere nur dann empfehlenswerte eine Selbstbeteiligung zu wählen, wenn man einen hohen Beitragsvorteil hat und nur die großen Schäden abdecken möchte. Die Haftpflichtversicherung im privaten Bereich wird bis zu 95% ohne Selbstbeteiligung abgeschlossen, dies ist in vielen Fällen auch definitiv sinnvoller. Es sollte individuell geprüft werden, inwiefern sich eine Selbstbeteiligung lohnt in die Police auf zu nehmen.

Wann macht eine Haftpflichtversicherung mit Selbstbeteiligung Sinn?

Klar ist, dass eine Haftpflicht mit Selbstbeteiligung auch Auswirkungen auf die zu zahlenden Beiträge hat. Das sei an dieser Stelle nur ein Vorteil, den es zum Thema Selbstbeteiligung zu nennen gibt. Wichtig ist jedoch auch, dass in einem hartumkämpften Markt wie der Versicherungsbranche sich nicht selten mit einer Selbstbeteiligung absichern. So überlegt man natürlich als Versicherungsnehmer zweimal ob man einen Schaden bei der Haftpflicht meldet oder nicht, wenn man weiss, dass eine Selbstbeteiligung fällig wird. Am Ende schützt das auch den Versicherungsnehmer, denn wer seine Haftpflichtversicherung überstrapaziert und sie eventuell gar verliert, wird es nicht so einfach haben, eine neue Versicherung zu finden. Wir würden die Selbstbeteiligung nicht als Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Private Haftpflichtversicherung sehen wollen, denn die primäre Aufgabe einer Haftpflichtversicherung ist, vor wirklich Existenzbedrohenden Situationen zu schützen. So also zum Beispiel, wenn Dritte zu Schaden kommen. Hier zählt der Leistungsschutz oder die Deckungssumme weit mehr als die Selbstbeteiligung.

Wir hoffen, Euch mit diesem Beitrag die Entscheidung etwas einfacher gemacht zu haben.

Wir dieser Post hilfreich?
[Total: 1 Average: 5]