
Ein Fachratgeber erklärt, was eine Hausratversicherung ist, welche Schäden sie deckt, wie die Versicherungssumme bestimmt wird und was es zu beachten gilt.
Die Hausratversicherung gehört zu den grundlegenden Sachversicherungen und schützt das private bewegliche Eigentum. Im Schadenfall ersetzt sie den finanziellen Verlust, der durch Zerstörung, Beschädigung oder Abhandenkommen des Inventars entsteht. Der Versicherungsschutz ist dabei an klar definierte Gefahren und den vereinbarten Versicherungsort gebunden. Das Verständnis der Kernleistungen, der optionalen Erweiterungen und der vertraglichen Pflichten ist entscheidend für eine bedarfsgerechte Absicherung und eine problemlose Regulierung.
Was ist eine Hausratversicherung und was schützt sie?
Eine Hausratversicherung ist eine Sachversicherung, die Schäden am gesamten beweglichen Inventar eines Haushalts abdeckt. Zum versicherten Hausrat gehören alle Gegenstände, die dem privaten Gebrauch oder Verbrauch dienen. Dies umfasst Möbel, Teppiche, Kleidung, Elektrogeräte, Geschirr, Bücher und auch Bargeld oder Wertsachen bis zu vertraglich festgelegten Obergrenzen. Als Faustregel gilt: Versichert ist alles, was bei einem Umzug mitgenommen werden könnte. Auch privat genutzte Antennenanlagen und Markisen, die am Gebäude angebracht sind, können zum Hausrat zählen, sofern sie im Vertrag eingeschlossen sind.
Der Versicherungsschutz erstreckt sich in der Regel auf die im Versicherungsschein genannte Wohnung sowie zugehörige Nebenräume wie Keller- oder Dachbodenabteile und Garagen auf demselben Grundstück. Eine Besonderheit ist die sogenannte Außenversicherung. Sie sorgt dafür, dass der Hausrat auch für eine begrenzte Zeit außerhalb der Wohnung versichert ist, beispielsweise im Urlaubshotel oder während eines Krankenhausaufenthalts. Die Leistung ist hierbei meist auf einen bestimmten Prozentsatz der Versicherungssumme und einen Zeitraum von einigen Monaten begrenzt. Kernprinzip der Entschädigung ist die Neuwertentschädigung. Das bedeutet, der Versicherer erstattet den Betrag, der notwendig ist, um einen zerstörten oder gestohlenen Gegenstand in gleicher Art und Güte neu zu beschaffen. Dies unterscheidet sich fundamental vom Zeitwert, der den Neuwert abzüglich einer Wertminderung durch Alter und Gebrauch darstellt.
Welche Gefahren und Schäden sind standardmäßig versichert?
Die klassische Hausratversicherung basiert auf einer Deckung für spezifisch benannte Gefahren. Nur wenn ein Schaden auf eine dieser Ursachen zurückzuführen ist, besteht eine Leistungspflicht des Versicherers. Zu den grundlegenden versicherten Gefahren gehören Feuer (Brand, Blitzschlag, Explosion, Implosion), Leitungswasser, Sturm und Hagel sowie Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus nach einem Einbruch. Ein Blitzeinschlag ist dabei nicht nur als direkter Treffer versichert, sondern auch Überspannungsschäden an Elektrogeräten als Folge eines Blitzes in der näheren Umgebung sind in modernen Tarifen oft inkludiert.
Schäden durch Leitungswasser entstehen durch bestimmungswidrig austretendes Wasser aus Zu- oder Ableitungsrohren der Wasserversorgung, angeschlossenen Schläuchen oder Anlagen wie Wasch- und Spülmaschinen. Auch Schäden durch den Austritt von Wasser aus Aquarien oder Wasserbetten sind üblicherweise gedeckt. Bei Sturm muss eine Windstärke von mindestens 8 (mehr als 61 km/h) nachgewiesen werden. Hagelschäden sind ebenfalls abgedeckt. Die Gefahr Einbruchdiebstahl setzt voraus, dass sich ein Täter gewaltsam Zutritt zu den verschlossenen Versicherungsräumen verschafft hat. Raub, also die Wegnahme von Sachen unter Androhung oder Anwendung von Gewalt, ist ebenfalls versichert. Die genaue Definition der einzelnen Gefahren und die damit verbundenen Ausschlüsse sind in den Allgemeinen Hausratversicherungsbedingungen (VHB) detailliert geregelt.
| Gefahr | Typische versicherte Ereignisse | Häufige Ausschlüsse |
|---|---|---|
| Feuer | Brand, Blitzschlag, Explosion, Implosion, Überspannung durch Blitz | Sengschäden (z.B. durch Zigarettenglut), Kurzschlussschäden an Geräten selbst |
| Leitungswasser | Rohrbruch, bestimmungswidriger Austritt aus Schläuchen, Aquarien, Wasserbetten | Schäden durch Regen, Grundwasser, Reinigungswasser, Rückstau |
| Sturm / Hagel | Schäden durch unmittelbare Einwirkung des Sturms (mind. Windstärke 8), Hagelschlag | Schäden durch Sturmflut, Lawinen, Eindringen von Regen durch offene Fenster |
| Einbruchdiebstahl | Diebstahl nach Einbruch, Raub, Vandalismus nach einem Einbruch | Einfacher Diebstahl (ohne Einbruch), Trickdiebstahl in der Wohnung |
Wie wird die richtige Versicherungssumme ermittelt?
Die Festlegung der korrekten Versicherungssumme ist einer der wichtigsten Aspekte beim Abschluss einer Hausratversicherung. Eine zu niedrig angesetzte Summe kann zu einer Unterversicherung führen. Dies bedeutet, dass im Schadenfall die Entschädigung prozentual gekürzt wird, und zwar im Verhältnis der vereinbarten Versicherungssumme zum tatsächlichen Wert des Hausrats. Liegt der Gesamtwert des Hausrats beispielsweise bei 100.000 Euro, die Versicherungssumme aber nur bei 50.000 Euro, würde der Versicherer bei einem Schaden von 10.000 Euro nur 5.000 Euro erstatten.
Um dieses Risiko zu umgehen, bieten Versicherer den sogenannten Unterversicherungsverzicht an. Dieser greift, wenn die Versicherungssumme nach einer pauschalen Methode ermittelt wird, meist über das Wohnflächenmodell. Dabei wird eine feste Summe pro Quadratmeter Wohnfläche angesetzt, üblicherweise zwischen 650 und 750 Euro. Bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung würde sich so eine Versicherungssumme von 65.000 bis 75.000 Euro ergeben. Wird diese Pauschale akzeptiert, prüft der Versicherer im Schadenfall nicht, ob eine Unterversicherung vorlag. Alternativ kann der Wert des Hausrats durch eine detaillierte Inventarliste (Wertermittlungsbogen) exakt bestimmt werden, was besonders bei sehr hochwertiger Ausstattung empfehlenswert ist. Die korrekte Ermittlung ist für den vollen Ersatz von Sachschäden unerlässlich.
Welche optionalen Zusatzbausteine gibt es?
Der Basisschutz der Hausratversicherung lässt sich durch verschiedene Zusatzbausteine individuell erweitern. Diese sind nicht in allen Tarifen standardmäßig enthalten und müssen oft gegen einen Mehrbeitrag eingeschlossen werden. Die wichtigsten Erweiterungen adressieren Gefahren, die über die klassischen Risiken hinausgehen.
Erweiterter Schutz vor Elementarschäden
Die Elementarschadenversicherung bietet Schutz vor Naturkatastrophen, die nicht unter die Standard-Sturm-Klausel fallen. Dazu gehören insbesondere Schäden durch Überschwemmung (auch durch Starkregen), Rückstau in der Kanalisation, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck und Lawinen. Dieser Baustein ist besonders in geografisch gefährdeten Gebieten relevant. Die Versicherbarkeit und die Höhe des Beitrags richten sich nach dem ZÜRS-System (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen), das Deutschland in verschiedene Risikozonen einteilt.
Fahrraddiebstahl außerhalb verschlossener Räume
Während der Diebstahl eines Fahrrads aus einem verschlossenen Keller oder einer Garage in der Regel durch die Grunddeckung abgedeckt ist, gilt dies nicht für den Diebstahl auf offener Straße. Hierfür ist eine separate Fahrradklausel notwendig. Diese leistet, wenn das Fahrrad durch ein Schloss gesichert war. Manche Tarife beinhalten eine „Nachtklausel“, die den Schutz zwischen 22 und 6 Uhr einschränkt, es sei denn, das Rad war in Gebrauch. Hochwertige Policen verzichten auf diese Klausel und versichern das Fahrrad rund um die Uhr.
Glasbruchversicherung
Die Glasbruchversicherung deckt Schäden an der Gebäude- und Mobiliarverglasung. Im Gegensatz zur Hauptversicherung leistet sie unabhängig von der Schadenursache („Allgefahrendeckung“ für Glas). Versichert sind zum Beispiel Fenster- und Türscheiben, Duschkabinen aus Glas, Glasplatten von Tischen oder Vitrinen sowie Glaskeramik-Kochfelder. Ausgeschlossen sind hingegen meist Hohlgläser wie Trinkgläser und Vasen sowie Bildschirme von elektronischen Geräten.
Was ist bei grober Fahrlässigkeit zu beachten?
Die Herbeiführung eines Versicherungsfalls durch grobe Fahrlässigkeit kann die Leistung des Versicherers erheblich beeinflussen. Grob fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße missachtet. Typische Beispiele im Bereich der Hausratversicherung sind eine brennende Kerze, die unbeaufsichtigt gelassen wird, oder ein auf Kipp gestelltes Fenster im Erdgeschoss während einer längeren Abwesenheit, das einen Einbruch erleichtert. Vor der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) im Jahr 2008 konnten Versicherer in solchen Fällen die Leistung komplett verweigern.
Seitdem gilt das Prinzip der Quotelung: Der Versicherer darf die Leistung nur noch in einem Verhältnis kürzen, das der Schwere des Verschuldens entspricht. Beträgt der Schaden 10.000 Euro und wird die Fahrlässigkeit mit 50 % bewertet, muss der Versicherer 5.000 Euro zahlen. Viele moderne Tarife gehen jedoch einen Schritt weiter und beinhalten den „Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit“. Das bedeutet, der Versicherer zahlt auch bei grob fahrlässig verursachten Schäden bis zur vollen Versicherungssumme oder bis zu einer hohen vertraglichen Grenze. Ein solcher Verzicht schließt jedoch Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit mit bedingtem Vorsatz nicht ein; wer einen Schaden absichtlich herbeiführt, erhält keine Leistung.
Worauf ist beim Abschluss und im Schadenfall zu achten?
Sowohl vor Vertragsabschluss als auch nach Eintritt eines Schadens bestehen für Versicherungsnehmer wichtige Pflichten, sogenannte Obliegenheiten. Eine Verletzung dieser Pflichten kann zur Leistungsfreiheit oder -kürzung des Versicherers führen. Vor dem Abschluss müssen alle Fragen im Antrag wahrheitsgemäß und vollständig beantwortet werden (vorvertragliche Anzeigepflicht). Dies betrifft insbesondere Vorschäden oder besondere Gefahrenumstände. Während der Vertragslaufzeit muss jede wesentliche Gefahrerhöhung, wie beispielsweise die Nutzung der Privatwohnung für ein Gewerbe, dem Versicherer unverzüglich gemeldet werden.
Im Schadenfall ist es entscheidend, den Schaden so gering wie möglich zu halten (Schadenminderungspflicht) und dem Versicherer unverzüglich zu melden. Bei Einbruchdiebstahl ist zudem eine sofortige Anzeige bei der Polizei erforderlich. Versicherte sind verpflichtet, dem Versicherer alle erforderlichen Auskünfte zu erteilen und Belege wie Rechnungen, Fotos der beschädigten Gegenstände und eine Liste der gestohlenen Sachen (Stehlgutliste) zur Verfügung zu stellen. Die Einhaltung dieser vertragliche Obliegenheiten ist die Basis für eine reibungslose Schadenregulierung. Zudem ist zu beachten, dass Versicherer Beiträge anpassen können, was ein Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhung auslösen kann.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Hausrat- und Wohngebäudeversicherung?
Die Hausratversicherung versichert das bewegliche Inventar in einem Gebäude (Möbel, Geräte, Kleidung). Die Wohngebäudeversicherung hingegen deckt Schäden am Gebäude selbst und an fest damit verbundenen Teilen wie Wänden, Dächern, Fenstern, Türen oder fest verklebten Teppichböden.
Sind Wertsachen in der Hausratversicherung mitversichert?
Ja, Wertsachen wie Bargeld, Schmuck, Wertpapiere, Urkunden und Kunstgegenstände sind mitversichert. Allerdings gelten hierfür strenge Entschädigungsgrenzen, die oft bei 20 % bis 40 % der Versicherungssumme liegen. Für Bargeld und außerhalb von Wertschutzschränken gelagerte Gegenstände gibt es zusätzlich niedrigere Sublimits.
Gilt der Versicherungsschutz auch während eines Umzugs?
Ja, während eines Umzugs besteht in der Regel ein vorübergehender Versicherungsschutz für beide Wohnungen, die alte und die neue. Dieser Schutz ist meist auf einen Zeitraum von ein bis drei Monaten begrenzt. Sobald der Umzug abgeschlossen ist und der Hausrat sich vollständig in der neuen Wohnung befindet, muss der Vertrag auf die neue Adresse umgestellt werden.
Was ist ein einfacher Diebstahl und ist er versichert?
Einfacher Diebstahl ist die Wegnahme einer Sache ohne die Überwindung eines Hindernisses oder die Anwendung von Gewalt, zum Beispiel der Diebstahl einer Jacke von einer Garderobe in einem Restaurant. Dieses Ereignis ist in der Regel nicht durch die Hausratversicherung gedeckt, da die Gefahr des Einbruchdiebstahls eine gewaltsame Zutrittsüberwindung voraussetzt.
Was geschieht bei einer Überschneidung mit anderen Versicherungen?
Es kann vorkommen, dass ein Schaden von zwei Policen abgedeckt wird, etwa wenn für ein Smartphone eine separate Elektronikversicherung und zusätzlich die Hausratversicherung besteht. In diesem Fall einer Doppelversicherung haften die Versicherer als Gesamtschuldner. Der Versicherungsnehmer kann sich an einen der beiden Versicherer wenden, darf aber insgesamt nicht mehr als die tatsächliche Schadenhöhe erstattet bekommen.
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Die Darstellung dient der allgemeinen Information. Maßgeblich sind immer die Bedingungen des konkreten Vertrags. Eine individuelle Rechts- oder Versicherungsberatung findet nicht statt.




